Der Brünloser Weihnachtsberg

Weihnachtsberg Brünlos
Schön, dass es so etwas noch oder wieder gibt.

Der Weihnachtsberg in Brünlos nimmt Sie durch seine bildliche Darstellung in die biblische Geschichte mit, in die Worte der Bibel, in die Hintergründe und den Alltag der Menschen jener Zeit. So ist auch der Weihnachtsberg ein Ort der Besinnung, wo sich die Figuren beim Klang von Musik entsprechend der Geschichte bewegen. Sie finden ihn in Brünlos auf dem Windmühlenweg.

Von Advent und Weihnachten erzählen

Artikel aus der katholischen Zeitschrift "Tag des Herrn"

Eine Szene von der Geburt Jesus rattert und schnurrt. Figuren tauchen auf, verschwinden wieder. Es wird finster und es wird wieder hell. Ein Engel schwebt von der Decke herab, der Mond geht auf, eine Stalltür öffnet sich: Es ist Weihnacht. Josef, Maria, die Engel und Hirten und natürlich die Hauptperson Jesus. Wie viele Menschen werden schon darüber gestaunt haben, mit welcher Präzesion die Mechanik des Weihnachtsberges in Brünlos bei Stollberg arbeitet. Und sie tut es weiterhin. Mit einmaligen Aufziehen kann die biblische Weihnachtsgeschichte dreimal durchlaufen und betrachtet werden. Dabei ist der Brünloser Berg etwas ganz Besonderes: Ein Berg, der ganz der Tradition seiner erzgebirgischen Geschwister folgt und doch zu 100 Prozent bei der Bibel bleibt. Und diese Nähe zur Bibel ist gewollt, wie Christa Kobel berichtet.

Die Rentnerin betreut heute den von ihrem Vater geschaffenen Weihnachtsberg. Immer wieder führt sie Besucher in den Raum des Hauses, der dem Berg zur Heimat geworden ist. Und Christa Kobel legt Wert darauf, selbst die einzelnen Stationen zu erläutern. So könne die biblische Botschaft besser verkündigt werden. Christa Kobel erklärt, dass ihr Vater - Friedrich Nötzel - den Weihnachtsberg aus einem einzigen Beweggrund heraus geschaffen hatte: Aus Glaube und Liebe zu Jesus. Der 1894 geborene Nötzel begann bereits als 13-jähriger Junge mit dem Bau des Berges - seine einzige Beleuchtung war eine Öllampe. Damals - 1907 - war Deutschland noch ein Kaiser- und Sachsen ein Königreich. Als der Berg dann 1960 fertig wurde, waren die Jahre der Weimaer Republik, der Weltwirtschaftskrise und des Nationalsozialismus längst Geschichte. Brünlos und sein biblischer Weihnachtsberg lagen in der damaligen DDR. Christa Kobel erzählt, dass es zu dieser Zeit dennoch möglich war, den Weihnachtsberg zu zeigen. "Mein Vater war froh, dass er geduldet wurde."

Friedrich Nötzel erlebte selbst alle Unwegbarkeiten des vorigen Jahrhunderts am eigenen Leib. Zweimal musste er in den Krieg ziehen, zweimal verbrachte er danach lange Jahre in Gefangenschaft. Doch verbittert wurde er nie. "Mein Vater war ein zufriedener Mensch", erinnert sich Christa Kobel. Etwas von dieser Zufriedenheit und deren Quelle soll durch den Weihnachtsberg auf die Besucher ausstrahlen. Dabei erinnert Tochter Christa daran, dass die Weihnachtsbotschaft heute vielen Menschen nicht mehr bekannt ist. Selbst wenn gewusst wird, dass Jesus in Betlehem zur Welt kam, dann sind doch die anderen biblischen Stationen rund um die Geburt Jesu vielen weiter unbekannt. So beispielsweise die Flucht nach Ägypten. Mit ihren Erklärungen zum Berg setzt Christa Kobel die Intention ihres Vaters fort: Den Menschen etwas von Jesus und vom christlichen Glauben zu erzählen. Dabei legt sie Wert darauf, dies in einer einfachen Form zu tun, es soll nicht aufdringlich sein. Wichtig ist, betont Christa Kobel, dass die Menschen die Botschaft hören. So ist sie auch in dieser Advents- und Weihnachtszeit bereit, interessierten Menschen den Weihnachtsberg zu zeigen. Und wenn sie einmal nicht mehr kann, dann hofft sie, dass ihr Sohn den Berg weiterhin betreut.

Weihnachtsberge sind typisch sächsische Krippendarstellungen, sie sind seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts nachweisbar. Dr. Johannes Just, Leiter des Museums für Volkskunst in Dresden erinnert daran, dass Krippen eigentlich nur aus katholischen Ländern bekannt sind. Sachsen sei merkwürdigerweise das einzige evangelische Land, in dem ebenfalls Krippendarstellungen gebaut wurden. Ein besonderes sächsisches Merkmal sei die Einbeziehung der hiesigen Landschaft und ihrer Häuser sowie des Bergbaues. Was allerdings die Gefahr in sich barg, dass die Krippen verweltlicht werden konnten. Versuche dazu habe es beispielsweise im Dritten Reich und in der DDR gegeben. Von diesen Versuchungen, seinen Berg populärer zu machen hat sich Friedrich Nötzel in Brünlos jedenfalls nicht gefangen nehmen lassen, sein Berg ist und bleibt ein Spiegelbild seines festen Glaubens.

Dieser Beitrag wurde in Ausgabe 49 des 50. Jahrgangs veröffentlicht und am 3.12.2000 in die Online-Ausgabe übernommen: von Holger Jakobi in der katholischen Zeitung Tag des Herrn

Die Führungen des Weihnachtsberges macht nicht mehr, wie im Artikel zu lesen, Frau Christa Kobel, sondern ihr Sohn Christian.

Informationen und Anmeldung:

Christian Kobel
Windmühlenweg 7
08297 Zwönitz OT Brünlos
Tel. +49 37296 15838
 
 
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Quelle: Israelnetz.com